Hallo Max Mustermann,
seit fast zwei Monaten hält der Krieg im Nahen Osten die Welt in Atem. Während ich diese Zeilen schreibe, naht das Ende der vorübergehenden Waffenruhe zwischen USA und Iran, und wie es in den Verhandlungen weitergeht, ist ungewiss. Derweil gibt es weiterhin Angriffe im Süden Libanons, und die Straße von Hormus ist blockiert. Selbst wenn dieser Krieg in absehbarer Zeit ein Ende finden und die Straße von Hormus wieder öffnen sollte – die Welt wird eine andere sein.
Wir haben einige Wochen immenser Zerstörung erlebt. Zerstörung von Menschenleben und Existenzen, Gebäuden und Infrastruktur vor allem in Iran und Libanon. Doch sie reicht noch viel weiter: Das World Food Programme rechnet bei Anhalten des Kriegs mit 45 Millionen mehr Betroffenen von Hunger, UNDP mit bis zu 32 Millionen Menschen, die zusätzlich in die Armut abrutschen werden – in 162 Ländern weltweit. Besonders betroffen sind, wie so oft, die ohnehin schon wirtschaftlich schwachen Länder. Die Camps für Geflüchtete rund um Sudan fürchten neben den Mittelkürzungen nun auch die steigenden Lebensmittelpreise. Länder wie Sri Lanka und die Philippinen haben aufgrund von Energieknappheit für Behörden einen zusätzlichen wöchentlichen Feiertag eingeführt.
In Iran wurde derweil der getötete Ayatollah Khamenei durch den neuen Ayatollah Khamenei ersetzt. Die Repression hält an, Verhaftungen sind an der Tagesordnung und auch Hinrichtungen werden weiter vollstreckt. Das Völkerrecht und die NATO aber sind geschwächt. Dieser Krieg hat bisher nicht den so oft angekündigten Regimewechsel gebracht – wohl aber die internationale Ordnung auf den Kopf gestellt. In unseren Deep Dives finden Sie diesmal eine exklusive Reportage aus dem Iran sowie eine Einordnung des Völkerrechtlers Kai Ambos. Wir freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu |
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Herzliche Grüße,
Eva-Maria Verfürth Chefredakteurin bei E+Z |
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© picture alliance/NurPhoto/Morteza Nikoubazl
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Die prekäre Lage der iranischen Bevölkerung |
Anfang dieses Monats drohte Donald Trump, die gesamte iranische Zivilisation auszulöschen. Eine exklusive Reportage zeigt, wie die Menschen, die der US-Präsident vernichten will, ihren Alltag bestreiten – in einem vom Krieg zerrütteten Land. |
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© picture alliance / Anadolu / Stringer
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Irankrieg: Verstöße gegen Völkerrecht benennen, Reform vorantreiben
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| KI ist da. Sind wir bereit? |
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| Um so viel sanken die öffentlichen Mittel der Geberländer im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr nach vorläufigen Daten der OECD. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Zählung. Insgesamt verringerten sich laut OECD die Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit bei 26 von 34 Geberländern, darunter Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Japan. Besonders drastisch waren die Einschnitte bei den US-Zahlungen. 14.051.750 vermeidbare Todesfälle, darunter mehr als 4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren, könnten einer Lancet-Studie zufolge bis 2030 allein aus den USAID-Kürzungen unter der Trump-Administration resultieren. |
Diese zwei Beispiele zeigen: Aktivismus kann sich auszahlen.
Nachdem 2022 drei französische NGOs gegen TotalEnergies geklagt hatten, wurde der Ölkonzern kürzlich von einem Pariser Gericht wegen irreführender Aussagen zur eigenen Umweltfreundlichkeit verurteilt. Hintergrund war eine große Kampagne, in der behauptet wurde, das Unternehmen könne bis 2050 klimaneutral werden – visuell gestützt mit Bildern von Windrädern und Solarparks. Da gleichzeitig massiv in den Ausbau der Öl- und Gasproduktion investiert wurde, entschied das Gericht, erstmals das französische Greenwashing-Gesetz anzuwenden.
Währenddessen hat die brasilianische Regierung eine Entscheidung revidiert, den Tapajós-Fluss im Amazonas zu privatisieren und zur industriellen Nutzung freizugeben, nachdem indigene Aktivist*innen der Munduruku, Arapiun und Apiaká wochenlang dagegen protestiert hatten. Die Entscheidung wird als wichtiger Schritt gegen die Expansion der Agrarindustrie im Amazonasgebiet gesehen, die den Fluss zu einer zentralen Transportroute ausbauen wollte.
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| Was uns außerdem interessiert hat |
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Wer sich Sorgen wegen Desinformation macht, sollte hier reinhören: Unsere Chefredakteurin Eva-Maria Verfürth hat in einer vor Kurzem veröffentlichten Folge des Podcasts „Almendra Impact“ mit Merle Becker gesprochen. Die beiden analysieren das Problem, mit dem wir konfrontiert sind – aber vor allem sprechen sie auch über Lösungen und Gegenmaßnahmen, die bereits Wirkung zeigen.
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| UN-Abstimmung über Sklaverei und Wiedergutmachung |
Die UN-Generalversammlung hat eine von Ghana eingebrachte Resolution verabschiedet, die den transatlantischen Sklavenhandel als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet und Reparationen ins Spiel bringt. Rechtlich bindend ist das nicht – politisch aber umso aufgeladener: 123 Staaten stimmten zu, drei dagegen (die USA, Argentinien und Israel), 52 enthielten sich, darunter Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und viele weitere EU-Staaten. Ghana argumentiert, die Folgen der Versklavung wirkten bis heute fort, etwa in rassistischen Ungleichheiten. Die Resolution fordert Gespräche über Reparationen – von Entschuldigungen über die Rückgabe geraubter Artefakte bis hin zu finanziellen Kompensationen und Garantien der Nicht-Wiederholung. Und sie zeigt, wie groß die Abwehrreflexe sind, sobald Geschichte Themen wie Geld, Macht und Verantwortung berührt.
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| Menschen als Verhandlungsmasse |
So sieht Diplomatie unter Trump aus: Die US-Regierung nutzt Hilfe und Finanzierung als Hebel – und Menschenleben gleich mit. Der Kolumnist Damien Glez beschreibt in The Africa Report (mit Verweis auf ein von der NGO Health GAP geleaktes Memo aus dem Afrika-Büro des US State Department), wie Washington Sambia offenbar unter Druck setzen will: Im Raum steht, die Unterstützung für 1,3 Millionen Menschen, die auf tägliche HIV-Medikamente angewiesen sind, auszusetzen – als Druckmittel in Verhandlungen über Kupfer und andere strategische Rohstoffe. Die New York Times berichtet über eine ähnliche Methodik in Kamerun: Die USA sollen einen geheimen Deal eingefädelt haben, um Migrant*innen in das Land abzuschieben, während sie nach einer tödlichen Protest-Niederschlagung im vergangenen Jahr diplomatisch auffallend still blieben und zudem eine 30-Millionen-Dollar-Zahlung an ein UN-Programm als zusätzlichen Hebel einsetzten. Ergebnis: Menschen, die teils Schutzstatus in den USA hatten, sitzen nun in Yaoundé fest.
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Hier kommt die intellektuelle Endzeit-Leseempfehlung: Der Guardian stellt Cambridge-Forscher Luke Kemp und sein Buch „Goliath’s Curse“ vor, in dem er mehr als 400 Gesellschaften und 5000 Jahre Aufstieg und Kollaps auswertet – und eine ziemlich ungemütliche Diagnose stellt: „Self-termination“ (Selbstzerstörung) sei für die globale Zivilisation am wahrscheinlichsten, wenn wir Ungleichheit nicht ernsthaft bekämpfen. Kemp räumt mit der Idee auf, „Zivilisation“ sei automatisch Fortschritt, und nennt Imperien „Goliaths“: Dominanzsysteme, die auf kontrollierbarem Überschuss, monopolisierten Waffen und „eingezäuntem Land“ beruhen. Sein Kernpunkt: Ungleichheit macht Gesellschaften fragil – und geht Kollaps historisch oft voraus. Neu ist heute die Dimension: Wir leben in einem einzigen, eng verflochtenen globalen System – und hinzu kommen Klimakrise, Atomwaffenarsenale, KI und Pandemien. Kemps Lösungsansätze sind politisch (Bürgerversammlungen, direkte Demokratie, Begrenzung des Reichtums) und persönlich („Don’t be a dick“). |
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In unregelmäßigen Abständen stellen wir in dieser Rubrik kleine Projekte vor, die auf Gemeindeebene etwas bewegen – denn wirkungsvolles Engagement vor Ort ist ebenso wichtig wie große internationale Entscheidungen.
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Die Itombwe-Wälder in Süd-Kivu (Demokratische Republik Kongo) zählen zu den artenreichsten Landschaften der Region – und stehen zugleich massiv unter Druck: Abholzung, Buschfeuer und bewaffnete Konflikte bedrohen das Gebiet. Besonders der südöstliche Waldkorridor ist für die ökologische Vernetzung wichtig, wird durch wachsende Nutzung und Unsicherheit aber immer stärker zerschnitten.
Die NGO IJED (Initiative des Jacobins Eleveurs pour le Développement) setzt hier an und baut eine gemeinschaftliche Energieplattform auf: Brennstoffbriketts, Solarenergie und Biogas sollen Haushalten Alternativen zu Feuerholz bieten. Das senkt den Bedarf an Holz, entlastet den Wald, und erleichtert zugleich die Überwachung sensibler Zonen. Neben dem Schutz der Biodiversität will IJED grüne Jobs schaffen und die Lebensbedingungen vor Ort verbessern.
IJED sucht für das Vorhaben Partner für Finanzierung, Technik und Umsetzung. Erfahrungen aus der Schutzarbeit am Kyamate-Massiv, das ebenfalls in der DR Kongo liegt, sowie dem hydro-agrarischen Tenge-Tenge-Damm sollen helfen, ein reproduzierbares Modell für Süd-Kivu zu entwickeln.
Ein Testimonial-Video aus dem Kyamate-Massiv gibt es auf YouTube.
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Die Justice Matters-Konferenz, organisiert vom Hague Institute for Innovation of Law (HiiL), findet vom 6. bis 8. Mai in Den Haag statt. Sie bringt politische Entscheidungsträger*innen, Rechtsexpert*innen und globale Führungspersönlichkeitenzusammen, um menschenzentrierte und datengestützte Lösungen zu erörtern, mit denen Lücken im Rechtswesen geschlossen und Stabilität sowie wirtschaftliche Entwicklung weltweit gestärkt werden können. Die Konferenz wird im Livestream übertragen.
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Das United Nations Nairobi Immersion Programme, organisiert durch das United Nations Institute for Training and Research (UNITAR), ist ein kostenpflichtiges fünftägiges Trainingsprogramm in Nairobi (1. bis 5. Juni 2026). Es ermöglicht Teilnehmenden Einblicke in die Arbeit der Vereinten Nationen und ihrer Organisationen vor Ort. Durch Fachvorträge, Workshops und Besuche bei Einrichtungen wie UNEP und UN-Habitat vermittelt das Programm praxisnahe diplomatische Fähigkeiten, vertieft das Verständnis für internationale Zusammenarbeit und unterstützt den Einstieg in eine Karriere im UN-System.
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Das Programm Chancenpatenschaften des Bundesverbands Deutscher Stiftungen fördert Mentoring- und Patenschaftsprojekte, die Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten zusammenbringen und gesellschaftliche Teilhabe stärken. Stiftungen und Organisationen werden dabei durch Zuschüsse, Beratung, Vernetzung und Qualifizierungsangebote für ihre Projektarbeit unterstützt. Mitgliedsorganisationen des Bundesverbands können sich noch bis zum 31. Mai auf ein neues Kontingent für 2026 bewerben. |
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