Hallo Max Mustermann,
Ein Tag Anfang März in Nairobi: Ein Gewitter zieht auf. Innerhalb einer halben Stunde ist der Himmel nachtschwarz. Und dann kommt der Regen. Wassermassen stürzen vom Himmel. Nach zehn Minuten läuft das Wasser unter unserer Haustür herein, tropft von der Decke und drückt sich durch die Fensterscheiben. Nach einer Stunde ist es vorbei. Mindestens 108 Menschen starben in dieser Nacht und bei weiteren Überflutungen in den folgenden Tagen. Zwei Jahre zuvor waren es Schätzungen zufolge 294 Tote, als Kenia solche Tage und Nächte knapp drei Wochen lang erlebte.
Ein Tag Mitte August. Ich bin in meiner deutschen Heimat, dem Pfälzer Wald. Gegen Nachmittag wird die Luft immer dicker, es riecht überall verbrannt. Nach einer Weile fährt die Feuerwehr durch den Rauchschleier und sagt über Lautsprecher durch, dass Fenster und Türen geschlossen werden sollen. Kurz darauf entwarnt der Bürgermeister der Stadt auf Instagram – es sei nicht unser Wald, der brennt; der Rauch käme von den Waldbränden in Belgien, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.
Verheerende Waldbrände in spanischen und französischen Urlaubsregionen, mehr als 12.000 hitzebedingte Sterbefälle allein in Deutschland, die Wasserstände an Rhein und Donau so niedrig, dass Unternehmen aufgrund erhöhter Schiffstransportkosten ihre Produktion drosseln – allerorts werden nun Forderungen nach Krisengipfeln laut. Nur wer fordert das Eingeständnis, dass es so weit nicht hätte kommen müssen, wenn Klimaschutz rechtzeitig und konsequent betrieben worden wäre?
Die Menschheit hat den Planeten zur Kulisse eines Katastrophenfilms werden lassen. Diesen Film können wir nicht mehr abschalten, aber wir haben nach wie vor das Drehbuch in der Hand. Die Beiträge der neuesten E+Z-Ausgabe berichten von Menschen an den Küsten Bangladeschs, in den Sümpfen Simbabwes und den Dünen der Sahara, die bereits Wege gefunden haben, mit einer sich erhitzenden Welt umzugehen. Sie und andere, die bereits seit Jahren täglich mit der Klimakrise leben müssen, sollten auf der Gästeliste stehen, wenn es zu den Krisengipfeln kommt. Wir freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu. |
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Herzliche Grüße,
Katharina Otieno Redakteurin bei E+Z |
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Wie überleben wir die Klimakrise?
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© picture alliance/BMZ/photothek.de/Felix Zahn
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Wer in Wasser investiert, investiert in Sicherheit
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Reem Alabali Radovan, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erklärt in ihrem Exklusivbeitrag, wie Wasserknappheit weltweit Krisen und Konflikte verschärft – und was die deutsche Entwicklungszusammenarbeit etwa in Irak und Jordanien tut, um Menschen sicheren Zugang zu Wasser zu ermöglichen. |
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© picture alliance / Hans Lucas / Martin Bertrand
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Mehr als nur Überleben nach Zyklonen
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Von den Tuareg lernen, wie man sich gegen den Klimawandel wappnet
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Die nomadischen Tuareg leben seit Jahrhunderten in einer der klimatisch unwirtlichsten Gegenden der Erde, der Sahara. Ihr Lebensstil funktioniert bis heute durch traditionelle Brunnengesetze, diversifizierte Lebensgrundlagen und digitalisierte mündliche Netzwerke. Wenn es ums Überleben der Menschheit in einer sich erhitzenden Welt geht, sollten wir von ihnen lernen, schreibt Forscher Rachid Bouajila.
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der Weltbevölkerung waren 2025 von Hunger betroffen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) hervor. Der Wert beschreibt den Anteil der Weltbevölkerung, dessen übliche Kalorienzufuhr unter dem Mindestbedarf lag, der für ein normales, aktives und gesundes Leben erforderlich ist. Für 2025 liegt der Wert damit nicht nur unter dem von 2024 (8,1 %) und 2022 (8,6 %), sondern auch unter dem vor der Pandemie verzeichneten Niveau von acht Prozent im Jahr 2019.
Der Chefökonom der FAO, Máximo Torero, betont jedoch, dass sich diese Zahlen ausschließlich auf das Jahr 2025 beziehen. Mögliche Rückschläge infolge des Kriegs in Iran und der damit einhergehenden Blockade der Straße von Hormus sind daher nicht berücksichtigt. Prognosen, die die Auswirkungen des Konflikts einbeziehen, gehen davon aus, dass 2030 noch etwa 510 bis 520 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein könnten – gegenüber 503 Millionen in einem Szenario ohne den Konflikt. Weitere Faktoren, darunter extreme Wetterereignisse wie El Niño in den Jahren 2026 und 2027, sind in diesen Schätzungen nicht berücksichtigt und könnten die Fortschritte zusätzlich verlangsamen.
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Chile hat Lepra eliminiert. Seit März ist es damit neben Jordanien weltweit erst das zweite Land, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Lepra-frei eingestuft wurde. Lepra ist eine chronische bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem Haut, Schleimhäute und das periphere Nervensystem schädigt. Betroffene Hautstellen verlieren das Empfinden für Schmerz, Berührung oder Temperatur, wodurch unter anderem unbemerkte und wiederholte Verletzungen entstehen.
In Ländern mit guter Gesundheitsversorgung und hohen Hygienestandards vor allem in Nordamerika und Europa ist Lepra nahezu ausgerottet. Länder in tropischen und subtropischen Gebieten sind allerdings nach wie vor stark betroffen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betont neben Programmen zur Früherkennung insbesondere die Bedeutung von universellem Zugang zu Gesundheitsversorgung, um „Krankheiten aus längst vergangenen Zeiten der Geschichte überlassen“ zu können. |
| Was uns außerdem interessiert hat |
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Dächer als Wassertank in Mexiko-Stadt
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In den informellen Siedlungen Mexiko-Stadts sind viele Häuser gar nicht ans Wassernetz angeschlossen, und selbst in „besseren“ Vierteln fällt die Versorgung in Dürrephasen aus. Dieser Bericht im Guardian zeigt, wie simpel und wirksam eine Alternative sein kann: Regenwasser vom Dach auffangen, filtern und speichern.
Bei Ana Aparicio Bahena in der Siedlung Cristo Rey hat ein solches System (2500 Liter plus Zusatztank fürs Gießen) den Alltag umgekrempelt: Statt für Wasser an Wasserlastwagen anzustehen und Eimer nach Hause zu schleppen kann die Familie wieder problemlos waschen, putzen, baden – und im Garten wachsen heute Kaktusfeigen, Avocados, Zitronen und Gemüse. Hinter vielen Anlagen steht die Organisation Isla Urbana, die seit 2009 vor allem Haushalte mit geringem Einkommen versorgt, aber auch Schulen ausstattet und Wissen vermittelt. Ein staatlich gesicherter, permanenter Zugang zu sauberem Wasser bleibt entscheidend – doch das Prinzip macht Dächer zu kleinen, dezentralen Lebensadern.
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| Wer zahlt den Preis für Ugandas Ölboom? |
Vor zwanzig Jahren wurde im ugandischen Distrikt Buliisa Öl gefunden. Ende dieses Jahres soll die Ölgewinnung beginnen – und dem Land Milliarden einbringen. Die Balaalo, eine Gruppe von Viehalter*innen, warten seit 16 Jahren auf Kompensation dafür, dass sie ihre Heimat wegen der Öl-Infrastruktur aufgeben mussten. Sie wurden 2010 durch eine Militäroperation gewaltsam von ihrem Land vertrieben. Schätzungsweise 640 Familien verloren Weideflächen, Häuser und Vieh.
Dieser Artikel von Musinguzi Blanshe und Romain Gras in The Africa Report zeichnet ein kompliziertes Bild aus umstrittenen Landkäufen, Konflikten mit ansässigen Landwirt*innen, politischer Stimmungsmache und Ölinteressen. Ein Gericht bezeichnete die Räumung 2013 als rechtswidrig und schwere Rechtsverletzung. Behörden und die beteiligten Unternehmen – allen voran TotalEnergies – verweisen auf getrennte Verfahren und Zuständigkeiten. Für die Vertriebenen könnte der Zusammenhang zwischen dem Verlust ihrer Heimat und dem Ölboom nicht klarer sein.
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| Gegen Radikalisierung mit Koranwissen und Geduld |
Wenn über Terrorismus in der Sahelzone gesprochen wird, geht es meist um militärische Operationen, Putsche und Drohnen. Al Jazeera lenkt den Blick in diesem Text auf einen anderen Ansatz: präventive Arbeit durch Frauen. Genauer gesagt geht es um Mauretaniens mourchidates – staatlich ausgebildete muslimische Beraterinnen, die in Schulen, Moscheen, Krankenhäusern und Gefängnissen arbeiten.
Diese Frauen sind nicht nur Seelsorgerinnen, sondern theologisch geschult. Sie sprechen mit gefährdeten Jugendlichen und mit Inhaftierten, die Gewalt religiös rechtfertigen, und zerlegen solche Argumente Vers für Vers. Das klingt unspektakulär – und ist gerade deshalb bemerkenswert. Sinnvolle präventive Arbeit muss nicht von Männern in Verhandlungsräumen definiert werden; und Beziehungen, Gespräche und Menschlichkeit können effektiver wirken als der große sicherheitspolitische Hammer.
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Der fünfte Africa Facts Summit findet am 21. und 22. Oktober in Nairobi, Kenia, statt und bringt Faktenprüfer*innen, Journalist*innen, Forschende, politische Entscheidungsträger*innen, Technikfachleute sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammen. Die von Africa Check organisierte Konferenz umfasst Podiumsdiskussionen, Workshops, Präsentationen und interaktive Sessions zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Desinformationsnetzwerke, Plattformverantwortung, Wahlen, ausländische Einflussnahme, Medienkompetenz und Nachrichtenintegrität. Tickets sind bis zum 30. September erhältlich.
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