Hallo Max Mustermann,
jeden Tag tauchen Menschen in der Erstregistrierungshütte auf, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR aus Strohmatten und Zeltplanen in den Sand der tschadischen Stadt Adré an der Grenze zu Sudan gezimmert hat. Pro Monat waren es zuletzt fast 1000 Menschen an diesem Registrierungspunkt allein, die vor dem brutalen Krieg in Sudan in das Nachbarland flohen. Ende Februar wurde die Grenze nun „bis auf Weiteres“ durch die tschadische Regierung geschlossen.
Ich war Ende Januar in Tschad in jener Grenzregion unterwegs. Tschad ist selbst ein bitterarmes Land – und seit Ausbruch des Krieges in Sudan 2023 das Ziel einer nicht enden wollenden Fluchtbewegung. Die Menschen kommen oft mit nichts außer den Kleidern am Leib und schwer traumatisiert über die Grenze. Ihr Leben hängt nun davon ab, dass sich internationale Hilfsorganisationen um sie kümmern.
Das Problem ist: Diese Organisationen können das angesichts der massiven Budgetkürzungen der meisten westlichen Regierungen bald nicht mehr. Ende Oktober 2025 waren laut Zahlen des United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) nur rund 23 % der international geplanten Hilfsvorhaben finanziert. Gleichzeitig werden in diesem Jahr laut den UN rund 239 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Das bedeutet konkret: zu wenig sauberes Wasser, zu wenig Nahrung, zu wenige Ärzt*innen, zu wenige Hebammen, zu wenige Unterkünfte, zu wenige psychologische Betreuung für die Menschen, die all das am dringendsten benötigen, weil Kriege, Naturkatastrophen oder andere Krisen sie in eine Notlage gebracht haben.
Die vier humanitären Prinzipien der UN lauten „Menschlichkeit“, „Neutralität“, „Unparteilichkeit“ und „Unabhängigkeit“. Ein Blick in den Osten Tschads zeigt: Wenn fehlendes Geld die humanitären Akteure zwingt, Grundbedürfnisse gegeneinander aufzuwiegen und Abstriche in lebensnotwendigen Bereichen zu machen, ist schon das erste Prinzip nicht mehr erfüllt.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu |
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Herzliche Grüße,
Katharina Otieno Redakteurin bei E+Z |
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Aktuelle Ausgabe:
Was wird aus der humanitären Hilfe? |
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In der letzten Kategorie zu landen, heißt, gar kein Essen zu bekommen
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In Kakuma, einem der größten Geflüchtetenlager der Welt im Norden Kenias, werden die Menschen nun in Kategorien eingeteilt, die darüber entscheiden, wer wieviel Nahrungsmittelhilfe bekommt. Lebensmittelrationen wurden durch die weltweiten Hilfskürzungen auf einen Bruchteil des Mindestbedarfs reduziert. Nicht wenige Menschen überlegen nun, in die Krisengebiete zurückzukehren, aus denen sie geflohen sind. |
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© picture alliance/Anadolu/Saeed M. M. T. Jaras
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„Der Triple Nexus braucht mehr Flexibilität und Fehlertoleranz“
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© picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Ebrahim Noroozi
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Wegsehen ist (k)eine Option
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In Afghanistan muss Hilfe für die Zivilbevölkerung geleistet werden, ohne dabei das Taliban-Regime zu legitimieren, schreibt Menschenrechtsexpertin Selmin Çalışkan. Die jüngsten politischen Entwicklungen in Deutschland nennt sie aus menschenrechtlicher Sicht fatal. |
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Die Regierung des Nairobi County hat eine Regelung beschlossen, die weiblichen Beschäftigten bei Menstruationsbeschwerden zwei bezahlte freie Tage pro Monat gewährt. Sie gilt für Frauen in den Behörden und Verwaltungsabteilungen des Countys, wo sie mehr als die Hälfte der Belegschaft ausmachen. Die freien Tage werden vollständig vergütet, erfordern kein ärztliches Attest und werden auf den Jahres- oder Krankenurlaub aufgeschlagen.
Neben der Verbesserung des Wohlergehens soll die Maßnahme nach Angaben der County-Verantwortlichen auch Produktivitätseinbußen verringern, die entstehen, wenn Beschäftigte trotz Beschwerden arbeiten. Nairobi ist damit das erste County in Kenia, das einen solchen Menstruationsurlaub offiziell einführt. International gibt es vergleichbare Regelungen bislang nur in wenigen Ländern, darunter Sambia, Japan, Südkorea, Indonesien und Spanien.
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| Kai Ambos ist neues E+Z-Beiratsmitglied |
Wir freuen uns, Prof. Dr. Dr. h.c. Kai Ambos als neues Mitglied in unserem Beirat begrüßen zu dürfen. Der Lehrstuhlinhaber für Strafrecht und Strafprozessrecht, Rechtsvergleichung, internationales Strafrecht und Völkerrecht an der Georg-August-Universität Göttingen ist zugleich seit 2017 Richter an den Kosovo-Sonderkammern in Den Haag sowie Berater (Amicus curiae) der kolumbianischen Sondergerichtsbarkeit für den Frieden.
Wir freuen uns sehr, dass er E+Z als Beiratsmitglied inhaltlich und strategisch beratend zur Seite steht. Weitere Beiratsmitglieder sind Selmin Çalışkan, Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge, Prof. Dr. Katharina Michaelowa und Bruno Wenn. |
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| Was uns außerdem interessiert hat |
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| Wie Europa Russlands hybrider Kriegsführung in Afrika begegnen muss |
Will Brown beschreibt in diesem ECFR-Policy-Brief, wie Russland in Teilen Afrikas Einfluss gewinnt – mit einer Mischung aus begrenzten, aber für Zivilist*innen oft verheerenden Militäreinsätzen und einer erstaunlich gut geölten Propagandamaschine. Die Erzählung: Russland als Freiheitsfreund, Europa (besonders Frankreich) als ewiger Bösewicht. Das funktioniert, weil es an reale Frustrationen andockt – und weil Fakes heute oft schneller sind als Fakten: KI-Statements von Popstars, erfundene Erfolge, millionenfach geklickte Influencer-Videos.
Browns Diagnose für Europa fällt unbequem aus: viel Analyse, wenig Konter. Zu oft bleibe es bei Faktenchecks und vorsichtiger Kommunikation, während Moskau offensiv die Informationsräume bespielt. Seine Vorschläge: härtere, koordinierte Sanktionen, bessere Gegen-Narrative – und vor allem Unterstützung glaubwürdiger lokaler Stimmen und unabhängiger Medien, die nicht nach „Botschafts-TikTok“ klingen.
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| Die Kohlenstoffmärkte kollabieren – was passiert mit den Wäldern, die von ihnen profitieren sollten? |
Der Kohlenstoffmarkt war mal die große „Win-win“-Erzählung: Firmen kaufen Offsets, Wälder bleiben stehen, alle fühlen sich ein bisschen besser. Patrick Greenfield beschreibt im Guardian am Beispiel des Kasigau-Korridors in Kenia, was passiert, wenn diese Erzählung implodiert. Nachdem Recherchen nahelegten, dass ein Großteil der Waldschutz-Zertifikate die Klimawirkung deutlich überschätzt hat, geht das Geld aus – und ausgerechnet Projekte, die tatsächlich Entwaldung bremsen, stehen plötzlich ohne Einnahmen da. Für Gemeinden, die mit den Zahlungen Schulgebühren, Gesundheit oder Wasserinfrastruktur mitfinanzierten, heißt das: „There is no money.“ |
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Wenn die Kohlenstoffmärkte also zusammenbrechen – was ist der nächste Finanzhebel für den Naturschutz? Reuters berichtet, dass die Global Environment Facility (GEF), ein mit der Weltbank verbundenes Klimafinanzierungsinstrument, eine neue Welle von „Wildlife Bonds“ anschieben will; perspektivisch für alle Länder Afrikas. Das Prinzip: günstiges Kapital für Schutzmaßnahmen, und die Rückzahlungen hängen an messbaren Ergebnissen – etwa weniger Wilderei. Bisher dienten oft „symbolträchtige Arten“ als Zugpferd für Investments (zum Beispiel Schimpansen in Ruanda und Lemuren in Madagaskar). Nun soll der Fokus breiter werden und nicht nur einzelne Arten, sondern auch ganze Ökosysteme wie Feuchtgebiete schützen. Laut GEF würde ein eigener Einsatz von 150 Millionen Dollar helfen, insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an Naturschutzfinanzierung zu hebeln. |
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Die WIPO Global Awards zeichnen innovative Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen aus, die geistiges Eigentum (Intellectual Property, IP) strategisch nutzen, um ihr Geschäft auszubauen und wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Teilnahmeberechtigt sind rechtlich registrierte Unternehmen mit bis zu 300 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Dollar, die über IP-Rechte verfügen oder entsprechende Anträge gestellt haben und eine kommerzielle Tätigkeit im Zusammenhang mit ihrem IP nachweisen können. Die Gewinner werden von einer unabhängigen internationalen Jury ausgewählt und erhalten internationale Sichtbarkeit, maßgeschneiderte Mentoring-Angebote sowie Zugang zu Netzwerken.
Bewerbungsfrist: 31. März
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| Impactpool veranstaltet virtuelle Karrieremessen, die Fachkräfte mit internationalen Organisationen vernetzen. Die Messe „Careers in Multilateral Development Banks & International Financial Institutions“ (12. März, 9–16 Uhr UTC) bietet Sessions und Networking-Möglichkeiten mit Organisationen wie der Asian Development Bank (ADB) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Messe „Women in STEM“ (19. März, 9-16 Uhr UTC) bringt Recruiting-Teams von Institutionen wie der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) und Fusion for Energy (F4E) zusammen, um Karrieremöglichkeiten vorzustellen und direkt mit Teilnehmenden in Kontakt zu treten. |
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