Hallo Max Mustermann,
„Naturschutz muss von Indigenen Völkern geleitet werden, denn wir wissen es besser“ – so steht es in der Nairobi Declaration, die bei einem Kongress Ende September in der kenianischen Hauptstadt vorgestellt wurde. Bei dem Treffen kamen Indigene Vertreter*innen aus 16 Ländern zusammen, und niemand machte einen Hehl aus der allgemeinen Wut. Es herrschte Einigkeit darüber, dass viele Umweltschutzprogramme, insbesondere CO₂-Kompensationsprojekte, schlicht „grüner Kolonialismus“ seien.
„Unsere Gebiete werden über Kohlenstoffmärkte, Biodiversitätsgutschriften und Co₂-Ausgleichsprogramme verkauft, die das destruktive Verhalten transnationaler Konzerne als nachhaltig darstellen“, heißt es weiter in der Deklaration. Dies geschehe zudem oftmals, ohne dass betroffene Indigene Gemeinden überhaupt ausreichend über die Projekte informiert wurden. Für E+Z berichteten zuletzt Journalisten aus Indonesien und Tansania über solche Fälle, die kaum ignoranter für lokale Gegebenheiten und Traditionen sein könnten (siehe Deep Dives).
Wie unklug es ist, die Expertise Indigener Gruppen beim Umweltschutz nicht wahrzunehmen, verdeutlicht eine im Mai veröffentlichte Analyse von 111 Studien der University of British Columbia. In 75 % der Studien wurde berichtet, dass Schutzgebiete Indigener Völker positive Ergebnisse im Naturschutz erzielten, oft in einem Ausmaß, das mit dem von staatlich verwalteten Schutzgebieten vergleichbar war oder dieses sogar übertraf.
Damit Indigenes Fachwissen angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise mehr Nutzen bringen kann, braucht es Räume für Wissenstransfer. Das ist unter anderem Aufgabe der Medien. Bei E+Z kommen regelmäßig Indigene Vertreter*innen zu Wort – so widmeten wir dem Thema im vergangenen Jahr eine ganze Ausgabe. Auch das internationale System verfügt durchaus über Mechanismen und Plattformen, um Indigene Perspektiven einzubeziehen, es müsste sie aber konsequenter nutzen. Die nächste prominente Gelegenheit dafür wird die COP im November in der Türkei sein. Die Weltgemeinschaft täte gut daran, sie nicht verstreichen zu lassen.
Wir freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu. |
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Herzliche Grüße,
Katharina Otieno Redakteurin bei E+Z |
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Indigene Proteste gegen Projekte auf der „Geothermie-Insel“ |
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© picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Khalil Senosi
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Für VWs CO₂-Zertifikate müssen die Rinder der Massai schneller laufen
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In Tansania sollen die Massai ihre Herden häufiger und schneller zu neuen Weidegebieten treiben, damit der deutsche Automobilhersteller CO₂-Zertifikate erhalten kann – und nein, das ist keine Satire. Es dürfte kaum überraschen, dass diese Idee auf Widerstand bei den indigenen Massai stößt, deren Weidepraktiken sich seit Jahrhunderten bewährt haben. |
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Wie Indigenes Wissen helfen kann, Waldbrände einzudämmen
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Von den Tuareg lernen, wie man sich gegen den Klimawandel wappnet
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Völkerrecht unter Beschuss
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Menschen können sich laut dem von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) veröffentlichten Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World (SOFI) 2026“ keine gesunde Ernährung leisten – das entspricht einem Drittel der Weltbevölkerung. Für sehr viele Menschen stellt sich also nicht nur die Frage, ob genügend Nahrungsmittel verfügbar sind, sondern auch, ob sie sich die für ein gesundes Leben notwendigen Lebensmittel leisten können.
Laut FAO besteht die Herausforderung darin, nährstoffreiche Lebensmittel erschwinglicher zu machen. Stärkehaltige Grundnahrungsmittel liefern rund 50 % der weltweiten Kalorien, machen jedoch nur sechs Prozent der Lebensmittelkosten aus. Dagegen sind Obst und Gemüse unverhältnismäßig teuer. In unserer Dezemberausgabe werden wir uns intensiv mit dem Thema Mangelernährung befassen.
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Das Verfassungsgericht Südafrikas – das höchste Gericht des Landes und oberste Berufungsinstanz – hat Shell und Impact Africa das Explorationsrecht an der Wild Coast entzogen. Das Gericht stoppte damit Pläne, mittels seismischer Untersuchungen entlang der Küste nach Öl und Gas zu suchen. Der mit diesen Untersuchungen einhergehende intensive Unterwasserlärm weckte Bedenken hinsichtlich möglicher Schäden für Meereslebewesen und Ökosysteme. Hinzu kommt, dass die lokalen Gemeinschaften enge kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen zum Meer haben.
Das Gericht befand sowohl die Konsultation der lokalen Gemeinschaften als auch die Berücksichtigung wichtiger Umwelt- und Klimabelange als unzureichend. Was 2021 mit sechs Gemeinden, NGOs und Organisationen für Umweltgerechtigkeit begann, hat sich zum ersten Klimafall entwickelt, der vor dem Verfassungsgericht Südafrikas verhandelt wurde. Das Urteil gilt als wegweisend für Klimagerechtigkeit. Aus der Herangehensweise des Gerichts lassen sich fünf zentrale Dimensionen der Klimagerechtigkeit ableiten, wie die Expertin für Umwelt- und Klimarecht Angela van der Berg in „The Conversation“ darlegt: Verfahrensgerechtigkeit, Anerkennungsgerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit und generationenübergreifende Gerechtigkeit sowie ein Verständnis von Gerechtigkeit, das nicht nur Menschen, sondern auch Ökosysteme und andere Arten einbezieht. |
| Was uns außerdem interessiert hat |
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Die neue britische Entwicklungsministerin will ihre Berufsbezeichnung ändern
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Die neue britische Ministerin für internationale Entwicklung und Afrika, Kirsty McNeill, erklärt, dass „die Ära der Entwicklung“ vorbei sei. McNeill beschreibt aktuelle Probleme wie Klimawandel, Arbeitslosigkeit und geschlechtsspezifische Gewalt als universell und betont, die Suche nach Lösungen erfordere einen Umdenkprozess. In einer Rede im September erklärte sie, sie würde es vorziehen, als „Ministerin für Sicherheit durch Solidarität“ zu fungieren. Die Rhetorik der Ministerin vom „gegenseitigen Interesse“ steht im Gegensatz zu jener, die britische Regierungen zuletzt angeschlagen hatten. Sie hatten Ausgaben für Entwicklungshilfe gern als Angelegenheit von nationalem Interesse dargestellt. McNeill vertritt den Standpunkt, dass Ausgaben für Entwicklungshilfe zwar von nationalem Nutzen sein können, dies aber nicht zwingend der Fall sein muss. Sie plädiert dafür, dass das „Geld, die Stimme und das Fachwissen“ des Vereinigten Königreichs genutzt werden sollten, um eine größere Wirkung zu erzielen. McNeill hat zwar ihr Engagement für die Wiederherstellung des Entwicklungshilfebudgets von 0,3 % auf 0,7 % des Bruttonationaleinkommens ihres Landes bekräftigt, doch wurde dafür kein Zeitplan genannt.
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| Sambia hat gewählt – Zweifel bleiben |
Bereits im August hat Hakainde Hichilema Sambias Präsidentschaftswahl 2026 gewonnen – doch für Blessing Vava ist das erst der Anfang der Debatte. In seinem Text für „This is Africa“ argumentiert er, dass ein eindeutiges Ergebnis die Schwächen des Wahlprozesses nicht unsichtbar machen kann. Im Mittelpunkt stehen auffällig niedrige Zahlen der Wahlbeteiligung verglichen mit der letzten Wahl, die vorübergehende Aussetzung der Auszählung, voreilige Siegeserklärungen und der Streit um mutmaßlich gefälschte Formulare. Vava plädiert dafür, die Wahl weder reflexhaft zum Betrugsfall zu erklären noch die offensichtlichen Mängel wegzuwinken. Gleichzeitig sei Sambias Wahl perspektivisch auch ein Test für die Region und besonders für die Southern African Development Community (SADC). Deren Beobachtungen benennen laut Vava zwar regelmäßig Probleme, doch bleibe es oft bei einem feststellenden Bericht ohne Konsequenzen.
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| Bevor es „Women’s Empowerment“ gab, gab es bereits Frauen, die Macht ausübten |
Ausgehend von Berichten über von Frauen geführte Bewegungen im Afrika der Kolonialzeit untersucht die feministische Forscherin Ngozi Nwosu-Juba in „Africa Is A Country“, wie die Strukturen und die Sprache rund um das Thema geschlechtsspezifische Gewalt die Stimmen und die Handlungsfähigkeit von Frauen verschleiern. Sie erinnert daran, dass Sprache prägt, wer als Akteurin des Wandels oder als passive Empfängerin in Erinnerung bleibt. Die Rhetorik, Frauen „eine Stimme zu geben“, lösche ihre lange Geschichte politischer Handlungsfähigkeit und politischen Widerstands aus. Sie impliziere, Frauen seien stimmlos und auf externe Akteure angewiesen gewesen, um ihre Macht zu entdecken, argumentiert Ngozi-Juba.
Die Forscherin fordert stattdessen, sich dafür einzusetzen, die Geschichte der Führungsrollen und des Widerstands von Frauen zu bewahren und zu würdigen. Die aktuelle Herausforderung im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt bestehe darin, Bedingungen zu schaffen und zu stärken, unter denen die Stimmen von Frauen gehört, respektiert und beachtet werden. Frauen müsse keine Stimme gegeben werden; vielmehr müsse sichergestellt werden, dass die Stimmen von Frauen nicht übertönt würden von NGOs, Gebern und Entwicklungsinstitutionen, so Ngozi-Juba. |
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Das I AM NALA Fellowship unterstützt junge afrikanische Frauen, die von technologiegestützter geschlechtsspezifischer Gewalt (technology-facilitated gender-based violence, TFGBV) betroffen sind und sich politisch engagieren. Das Programm läuft von Juli bis Dezember 2027 und begleitet Fellows mit Mentoring, Schulungen und Unterstützung bei Advocacy-Arbeit. Bewerbungsfrist: 31. Januar
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Die virtuelle Karrieremesse „Shaping the Future – Women in Senior Roles 2026“ von Impactpool am 22. Oktober bringt Frauen in leitenden Positionen mit internationalen, multilateralen, bilateralen und nichtstaatlichen Arbeitgebern zusammen. Voraussetzungen für die Teilnahme sind mindestens sieben Jahre einschlägige internationale Berufserfahrung, ein Hochschulabschluss auf Masterniveau (ein Bachelorabschluss wird bei entsprechend mehr Berufserfahrung berücksichtigt) und fließende Englischkenntnisse.
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