Hallo Max Mustermann,
ich schreibe diese Zeilen aus Frankfurt. Wenn ich hier morgen auf die Straße gehen möchte, um gegen demokratiefeindliche und rechtsextreme Kräfte zu demonstrieren, ist die größte Unannehmlichkeit die aktuelle winterliche Kälte. Ich bin mir sicher, dass ich am Abend wieder sicher in meiner warmen Wohnung sein werde. Das Gleiche gilt für Menschen in Rom oder Paris, und galt lange auch in Washington.
Das ist anders, wenn ich aus Nairobi schreibe, von wo aus ich zeitweise arbeite. Dort auf die Straße zu gehen, bedeutet, sich der Gefahr auszusetzen, abends mit einer Schusswunde im Krankenhaus zu landen – oder ganz zu verschwinden. Ähnliches gilt für Kampala, Kathmandu oder Lima.
Und dennoch sind es die Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die zurzeit eine Protestbewegung nach der anderen hervorbringen, die sich gegen autoritäre Systeme oder dysfunktionale Demokratien auflehnen. Teils sind deren Anstrengungen wie in Bangladesch oder Madagaskar von zumindest anfänglichen Erfolgen gekrönt, teils müssen die meist jungen Menschen herbe Rückschläge hinnehmen, wie zuletzt in Tansania. Doch Aufgeben ist keine Option: Unter großen persönlichen Risiken stehen Aktivist*innen im Globalen Süden immer wieder für Demokratie und Menschenrechte ein.
Auch wenn im Westen von Zeit zu Zeit Proteste aufflammen und einige starke zivilgesellschaftliche Kampagnen laufen, wird deren Größenordnung der Lage nicht gerecht, in der wir uns befinden. Die Situation ist hier zwar noch weit von der in Nepal oder Tansania entfernt, aber in den USA wird die Demokratie immer spektakulärer vor aller Augen abgebaut, und in Europa nehmen rechtsextreme Parteien mehr und mehr Raum ein. „Ihr seid noch nicht verzweifelt genug“, sagte jüngst eine kenianische Freundin zu mir. Das mag stimmen. Vielleicht ist vielen Menschen im Westen auch das Ausmaß der politischen Verschiebungen nicht bewusst, weil autoritäre Kräfte das Internet mit Desinformation fluten.
In unseren Deep Dives kommen in dieser Ausgabe drei Aktivistinnen zu Wort, die als Inspiration dienen sollen, den Status quo zu hinterfragen – und wenn nötig, zu durchbrechen.
Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu |
|
|
|
|
Herzliche Grüße,
Katharina Otieno Redakteurin bei E+Z |
|
|
© picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Brian Inganga
|
|
|
„So behandelt man nicht einmal Kriminelle“
|
Sie wurde entführt, gefoltert und vergewaltigt, weil sie angereist war, um beim Prozess gegen den tansanischen Oppositionsführer ihre Solidarität zu bekunden. In einem Exklusivinterview für E+Z spricht die ugandische Anwältin und Aktivistin Agather Atuhaire darüber, was ihr widerfahren ist – und wie mangelnde internationale Solidarität autoritäre Kräfte ermutigt.
|
|
|
© Kaii Chiang/CC BY-NC-SA 4.0 |
|
Wie Taiwan gegen Desinformation vorgeht
|
Audrey Tang ist Cyberaktivistin – und sowohl Taiwans ehemalige Ministerin für Digitales als auch ehemalige Hackerin. Im Frühjahr sprach sie mit Chefredakteurin Eva-Maria Verfürth darüber, wie Desinformation die Demokratie untergräbt – und was dagegen unternommen werden kann. |
|
|
Mit freundlicher Genehmigung von AFIKARIS Gallery und Jean David Nkot |
|
Aktuelle Ausgabe:
Wann ist ein Mann ein Mann? |
|
|
des gesamten afrikanischen Handels im Jahr 2024 entfielen auf den innerafrikanischen Handel. Im Gegensatz zu Asien und Europa, wo intraregionaler Handel etwa 60 % des gesamten Handels ausmacht, sind die afrikanischen Märkte nach wie vor weitgehend fragmentiert. Zwar wurde 2021 die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCTFTA) ins Leben gerufen, doch ihre schrittweise Umsetzung erfolgt in sechs Phasen, sodass die Mitgliedstaaten – insbesondere die wirtschaftlich schwächsten – Reformen in ihrem eigenen Tempo durchführen können.
Laut Emeka Ajene spielen jedoch auch Denkweisen eine wichtige Rolle. In einer Kolumne für Semafor hebt der Gründer der Medien- und Strategieplattform Afridigest hervor, wie ethnische Abgrenzungen nach wie vor das Denken prägen und die wirtschaftliche Integration über afrikanische Grenzen hinweg behindern.
|
|
|
Wer hätte das gedacht: Es gibt doch noch gute Nachrichten, wenn es um das Klima geht. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurde erstmals mehr Strom aus erneuerbaren Energien als aus Kohle erzeugt.
Das geht aus einer neuen Studie des Thinktanks Ember hervor, der den Stromverbrauch von 88 Ländern untersucht hat. Erneuerbare Energien machen demnach nun 34,3 % des globalen Strommixes aus, während der Anteil der Kohle auf 33,1 % gesunken ist.
Fachleute gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Das klingt logisch, denn die weltweiten Kohlevorkommen werden irgendwann erschöpft sein, Wind- und Sonnenenergie hingegen stehen immer zur Verfügung. Der größte Treiber dieser Energiewende? China – das Land ist für mehr als die Hälfte des Anstiegs bei den erneuerbaren Energien verantwortlich. |
| Was uns außerdem interessiert hat |
|
|
Wir alle kennen mittlerweile das „autoritäre Playbook“ – institutionelle Vereinnahmung, Dämonisierung von Minderheiten, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit. Democracy Playbook ist eine grenzüberschreitende journalistische Kollaboration von Unbias the News, die versucht, die andere Seite zu zeigen: Bewegungen, die für Meinungsfreiheit, Klimaschutz und eine unabhängige Justiz kämpfen. Tina Lee und ihr Team arbeiten mit lokalen Reportern aus aller Welt zusammen, um Erfolge im Kampf für Demokratie und Menschenrechte hervorzuheben. Es handelt sich um Geschichten über erfolgreiche Taktiken, und die Idee hinter dem Projekt ist, dass sie durch das Teilen ihre Wirksamkeit behalten als „Narrative in einer fortlaufenden Geschichte des globalen Widerstands gegen Autoritarismus“. |
|
Wir haben hier schon mehrmals darüber berichtet, dass der Krieg im Sudan angesichts zahlreicher globaler Krisen kaum noch Beachtung in den Medien findet. Meistens erreichen nur Schlagworte die Außenwelt – Vertreibung, Hunger, sexuelle Gewalt. Die Realität des Konflikts ist allerdings viel komplizierter. Wussten Sie zum Beispiel, dass Hunderte von meist jungen südamerikanischen Söldner*innen in der sudanesischen Wüste kämpfen? Viele von ihnen wurden unter falschen Vorwänden rekrutiert. Oder dass eine Universität in Khartum weiterhin Online-Unterricht anbietet, basierend auf den während der Covid-19-Pandemie gesammelten Erfahrungen? In den ersten chaotischen Stunden des Krieges sicherte das heldenhafte IT-Team alle akademischen Daten über ein Notfall-Cloud-Backup und lokalisierte Lehrkräfte und Studierende über Online-Umfragen. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie komplex Krieg ist – und dass Resilienz viele Facetten hat, selbst angesichts schrecklicher Gräuel.
|
|
Auf dem afrikanischen Kontinent wachsen die Erwartungen, dass künstliche Intelligenz in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Infrastruktur neue Entwicklungssprünge ermöglicht. Die junge Bevölkerung und dynamische Tech-Szenen in vielen Städten verstärken diese Hoffnung. Dabei spielt das Konzept des „Leapfrogging“ eine zentrale Rolle: technische Zwischenschritte gezielt zu überspringen und direkt bei der neuesten Technologie einzusteigen – so wie Afrika einst das Festnetz ausließ und beim Mobilfunk voranging. Daniel Ekonde unterzieht diese Erwartungen für Africa Is A Country einer Realitätsprüfung, denn es fehlen Strom, Intenetverbindungen, Rechenkapazitäten und vielerorts schlichtweg Geld. Im Frühjahr widmen wir der Frage, was KI für Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, übrigens einen ganzen Schwerpunkt.
|
|
_1.png) |
Die Hertie School vergibt ein dreijähriges Stipendium für eine Vollzeit-Doktorandenstelle im Bereich Grundrechte. Das Programm steht Bewerber*innen mit außergewöhnlichen Leistungen im Bereich Menschenrechte oder verwandten Bereichen offen. Die Forschungsvorhaben sollten sich auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen für den Schutz der Grundrechte auf nationaler, regionaler und/oder globaler Ebene konzentrieren.
Bewerbungsfrist: 31. Januar
|
|
|
|
Die Bewerbungsphase für den internationalen Masterstudiengang Master francophone en journalisme international (MFJI) an der DW Akademie Bonn ist gestartet. Der MFJI richtet sich an Medienschaffende aus französischsprachigen Ländern Nord- und Westafrikas. Mit Bonn, der Öffentlichen Journalistenschule Tours und einem dreimonatigen Berufspraktikum im jeweiligen Heimatland der Studierenden wird der Master an drei verschiedenen Standorten durchgeführt.
Bewerbungsfrist: 16. Februar |
|
|
|
|
|
|
Wenn Sie den Newsletter abbstellen möchten, bitte hier klicken.
Impressum
Herausgeber: ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH Service für Entwicklungsinitiativen
Verlag: Fazit Communication GmbH, Pariser Straße 1, D-60486 Frankfurt am Main, Deutschland Telefon: +49 (0)69 7591-3110 | E-Mail: euz.editor@dandc.eu Webseite: www.fazit.de | Geschäftsführer: Jonas Grashey und Hannes Ludwig |
|
|
|