Hallo Max Mustermann,
Tschad ist ein Musterbeispiel für jene Länder, von denen die Weltgemeinschaft nur selten Notiz nimmt. Der zentralafrikanische Staat ist dünn besiedelt (etwa 15 Personen pro Quadratkilometer). Seine Einwohner*innen haben kaum Zugang zum Internet (rund 14 von 100 Personen sind online). Die Hauptstadt N’Djamena hat knapp 1,7 Millionen Einwohner*innen, und viele von ihnen arbeiten für internationale Organisationen, die Programme im bitterarmen Rest des Landes durchführen. Tschad lag zuletzt auf dem drittletzten Platz des Human Development Index. Das Land hat Öl, Gold und Uran, aber auch eine so instabile wie unberechenbare Regierung, die Meinungsfreiheit unterdrückt und Korruption fördert – auch, um die zahlreichen Milizen und Rebellengruppen in Schach zu halten, die in verschiedenen Teilen des Landes agieren. Tschads Probleme schaffen es so gut wie nie in die Schlagzeilen, schon gar nicht, wenn Luxushotels im Nahen Osten unter Beschuss geraten. Dabei sind dort, wo Tschad an die sudanesische Region Darfur grenzt, Drohnenangriffe ebenfalls schrecklicher Alltag.
Ich war Ende Januar in jener Grenzregion im Osten des Landes unterwegs, in der die tschadischen Gemeinden seit Jahren versuchen, mit hunderttausenden Geflüchteten umzugehen – in einer Gegend mit minimaler Infrastruktur und maximaler Armut. Sie schaffen das mit großer Solidarität, die aber durch die weltweiten Mittelkürzungen in der humanitären Hilfe zunehmend an ihre Grenzen kommt – ebenso wie die internationalen Hilfsorganisationen. In unseren aktuellen Deep Dives berichte ich über die Situation und spreche mit Menschen vor Ort.
Ende Februar hat Tschad seine Grenze zu Sudan bis auf Weiteres geschlossen, nachdem die Gewalt zum wiederholten Mal übergeschwappt war und tschadische Soldat*innen und Zivilist*innen getötet wurden. Nicht wenige befürchten, dass sich der Krieg in Sudan, der die weltweit größte humanitäre Katastrophe ausgelöst hat, auf Tschad ausweiten könnte. Es steht zu befürchten, dass auch eine solche Eskalation im Chaos, in dem unsere Welt versinkt, untergehen würde.
Wir freuen uns über Ihre Meinung, Anregung oder Kritik: euz.editor@dandc.eu |
|
|
|
|
Herzliche Grüße,
Katharina Otieno Redakteurin bei E+Z |
|
|
© picture alliance/dpa/Belga/Benoit Doppagne
|
|
Aus Sudan nach Tschad: Flucht in eines der ärmsten Länder der Welt |
Unsere Redakteurin Katharina Otieno berichtet von der tschadisch-sudanesischen Grenze über eine dramatische Situation, die die internationale Gemeinschaft durch Hilfsmittelkürzungen wissentlich verschärft. Sie sprach mit einem Arzt, der für 700 Patienten verantwortlich ist, einer Psychologin, die selbst mit Traumata zu kämpfen hat, und Menschen, die vor 20 Jahren aus Darfur fliehen mussten – sowie mit jenen, die gerade die Grenze überquert haben. |
|
|
Dass das Zusammenleben in Osttschad funktioniert, grenzt an ein Wunder
|
|
|
Humanitäre Krise in Tschad: „Wie priorisieren wir Prioritäten?“
|
Die weltweiten Kürzungen der Mittel für humanitäre Hilfe sind eine Realität, die sich so schnell nicht ändern wird. Am stärksten betroffen sind Menschen in Krisensituationen, wie beispielsweise diejenigen, die vor dem brutalen Krieg in Sudan geflohen sind. Wir haben Alain Rusku, Landesdirektor des International Rescue Committee (IRC) in Tschad, gefragt, wie humanitäre Organisationen überhaupt weiterarbeiten können.
|
|
|
Video: Recherche in Tschad
|
Gemeinsam mit dem International Rescue Committee (IRC) reiste unsere Redakteurin Katharina Wilhelm Otieno in den Osten des Tschad, wo sich die Lage nach massiven Kürzungen der Hilfsleistungen zunehmend verschlechtert. Ein kurzes Video mit visuellen Eindrücken von ihrer Reise ist auf unserem LinkedIn-Kanal verfügbar. |
|
|
|
| Was wird aus der humanitären Hilfe? |
|
|
der Sitze in nationalen Parlamenten weltweit werden derzeit von Frauen besetzt. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind jedoch erheblich, wie aus der Datenbank der Inter-Parliamentary Union (IPU) hervorgeht. Angeführt wird das Ranking von Ruanda mit 63,8 %, gefolgt von Kuba mit 57,2 % und Nicaragua mit 55 %. Schlusslichter – zumindest unter den Ländern, für die Daten vorliegen – sind Oman, Tuvalu und Jemen mit keiner einzigen Frau in ihren Parlamenten.
Auch zwischen den Weltregionen zeigen sich deutliche Unterschiede. Die höchsten durchschnittlichen Anteile verzeichnen Australien und Neuseeland (45,8 %), die nordischen Länder (44,5 %) und die Karibik (43,5 %). Am niedrigsten sind sie in Nordafrika (17 %), Südasien (12,3 %) und auf den pazifischen Inseln (7,4 %). |
Im Kampf gegen die zunehmende Vermüllung der Meere hilft nun ein weiterer Verbündeter: Forschende und Studierende der Technischen Universität München haben einen KI-gestützten Unterwasserroboter entwickelt, der groben Müll im Meer autonom entfernt.
Der Roboter hat seine Fähigkeiten bereits in den Häfen von Marseille und Hamburg unter Beweis gestellt und soll vor allem in Umgebungen eingesetzt werden, die unter ähnlichem ökologischen Druck stehen. Er kann Gegenstände mit einem Gewicht von bis zu 250 Kilogramm heben und entlastet damit die kleine Zahl qualifizierter Taucher*innen, die diese komplexe Aufgabe derzeit übernehmen. Wofür KI sonst noch eingesetzt wird und was sie für globale Entwicklung bedeutet, beleuchten wir in unserer kommenden Ausgabe.
|
| Was uns außerdem interessiert hat |
|
|
| Marco Rubios München-Rede: Wie der Westen seine Vergangenheit reinwäscht |
Die Münchner Sicherheitskonferenz ist zwar schon ein paar Wochen her, aber Marco Rubios Rede dürfte vielen noch im Gedächtnis sein – auch weil sie einen Ton anschlug, der nach „früher war die Welt noch in Ordnung“ klingt, nur eben mit Imperium. Genau daran knüpft der kenianische Journalist und Karikaturist Patrick Gathara in seinem Al-Jazeera-Kommentar an: Seiner Meinung nach wird im Westen gerade an einer Rehabilitierung des Kolonialismus gearbeitet – nicht als historische Debatte, sondern als politische Vorbereitung. Gatharas Warnung: Das ist kein sentimentaler Rückblick, sondern ein Rahmen, in dem „Might makes right“ wieder normal wirken soll. |
|
| Südafrika als Fallstudie für die tektonischen Verschiebungen der Geopolitik |
Was passiert, wenn Multilateralismus auf „Deal first“ trifft? Henning Melber – langjähriger E+Z-Autor und Forscher am schwedischen Nordic Africa Institute – nimmt Südafrika als Fallstudie für die tektonischen Verschiebungen der Weltpolitik. Das einzige afrikanische Land, das G20-Mitglied ist, wird zum Stresstest: 2025 prägte Pretoria das G20-Narrativ mit „Solidarity, Equality and Sustainability“ – und kassierte prompt einen US-Boykott. Es folgte die Erklärung Washingtons, Südafrika werde nicht zum G20-Gipfel 2026 in Florida eingeladen und aus Vorbereitungen ausgeschlossen. Melber ordnet den Fall Südafrikas in einem Blog-Artikel für das Nordic Africa Institute in eine größere Linie ein: US-Isolationismus, der Rückbau von Hilfs- und UN-Engagement, eine transaktionale Afrika-Politik – und zugleich Afrikas wachsende Verhandlungsmacht in Bezug auf Rohstoffe und Geostrategie. Es bleibt die Frage, wie die restlichen G20-Mitglieder auf den Ausschluss Südafrikas reagieren werden, der eine offensichtliche Verletzung der Grundsätze der Organisation darstellt.
|
|
| Friseur*innen in Westafrika leisten einen Beitrag zur psychischen Gesundheit |
Psychologische Beratung mag in weiten Teilen Westafrikas rar sein, aber ein Friseurtermin ist für die meisten erschwinglich. Genau hier setzt dieser Artikel des Guardian an. Eromo Egbejule berichtet über Friseur*innen in Kamerun, Côte d’Ivoire und Togo, die kostenlos zu „Botschafter*innen für psychische Gesundheit“ ausgebildet werden: nicht, um als therapeutischer Ersatz zu fungieren, sondern um zuzuhören, grundlegenden Trost zu spenden, Warnsignale (einschließlich häuslicher Gewalt) zu erkennen und Kund*innen an die Polizei oder an vorhandene professionelle Hilfsangebote zu verweisen. Diese E+Z-Ausgabe befasst sich übrigens im Schwerpunkt mit mentaler Gesundheit – unter anderem in unterversorgten Regionen. |
|
|
_1.png) |
| In unregelmäßigen Abständen stellen wir in dieser Rubrik kleine Projekte vor, die auf Gemeindeebene etwas bewegen – denn wirkungsvolles Engagement vor Ort ist ebenso wichtig wie große internationale Entscheidungen. |
Santé Meilleure Vie Meilleure (SMVM) ist eine togolesische Organisation, die zu chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD und Bronchiektasen arbeitet, außerdem zu ausgewählten Hautkrankheiten und vernachlässigten Tropenkrankheiten. SMVM stärkt die Kompetenzen von Gesundheitsfachkräften in Diagnose und Behandlung und qualifiziert Chirurg*innen weiter. Teams führen klinische Trainings sowie gemeindenahe Screenings in peripheren Gesundheitseinrichtungen durch. In den Einsatzgemeinden setzt SMVM zudem Maßnahmen für sicheres Wasser und Hygiene um. Darüber hinaus adressiert die Organisation Sehbeeinträchtigungen und fördert Gesundheitskompetenz durch die Stärkung von Schulinfrastruktur und Lehrkräftefortbildungen. Ihr Fokus liegt auf Frauen, Kindern und Jugendlichen in unterversorgten urbanen und ländlichen Regionen. SMVM sucht derzeit Partnerschaften für Finanzierung, technische Expertise und gemeinsame Programmdurchführung.
Kontakt: somabey.dossavi@sm-vm.com |
|
Das Postgraduate Programme for Sustainability Cooperation (PGP) am German Institute of Development and Sustainability (IDOS) ist ein neunmonatiges Trainingsprogramm für Masterabsolvent*innen, die in der internationalen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitszusammenarbeit arbeiten möchten. Die Teilnehmenden erhalten ein Stipendium von 1500 Euro pro Monat. Das Programm steht Absolvent*innen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften offen, die entweder über die Staatsbürgerschaft eines EU-Staates (einschließlich Schengenraum) oder eine deutsche Aufenthaltserlaubnis verfügen. Bewerbungsfrist: 31. März.
|
|
|
|
Der Falling Walls Global Call lädt Forschende, Innovator*innen und Institutionen weltweit ein, ihre vielversprechendsten wissenschaftlichen Durchbrüche einzureichen, die globale Herausforderungen adressieren. Die überzeugendsten Einreichungen werden ausgewählt und beim Falling Walls Science Summit in Berlin vorgestellt. Bewerbungen sind aus verschiedenen Bereichen möglich, darunter Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaften, Kunst sowie Wissenschaftskommunikation.
Bewerbungsfrist: 15. April
|
|
|
|
|
|
|
Wenn Sie den Newsletter abbstellen möchten, bitte hier klicken.
Impressum
Herausgeber: ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH Service für Entwicklungsinitiativen
Verlag: Fazit Communication GmbH, Pariser Straße 1, D-60486 Frankfurt am Main, Deutschland Telefon: +49 (0)69 7591-3110 | E-Mail: euz.editor@dandc.eu Webseite: www.fazit.de | Geschäftsführer: Jonas Grashey und Hannes Ludwig |
|
|
|